Katholische Kirchengemeinde Eningen
 
 
 
 

Das Buch Rut – Frauenfreundschaft überwindet Not

In Freundschaft und Verantwortung verbunden

 

Wohin du gehst

             Wo immer dich das Schicksal (oder Gott selbst?)

             hinführen mag,

             was immer dir an Gutem oder Bösem

             geschehen mag,

dahin gehe auch ich

             Ich lasse dich nicht im Stich.

             Du kannst mir vertrauen.

und wo du bleibst

             Dort, wo du Wurzeln schlägst,

             wo  du den Ort deiner Sehnsucht erreicht hast

da bleibe auch ich.

            Ich will mein Leben mit dir teilen,

            mich um dich kümmern,

            damit es dir gutgeht.

Dein Volk ist mein Volk

           Ich frage nicht nach Herkunft,

           Sprache oder Hautfarbe

Und dein Gott ist mein Gott.

           Sein Wesen spiegelt sich in dir.

           Er muss Liebe und Fürsorge sein.

Wo du stirbst

           Wo dein Leben, dein Suchen und Fragen,

           dein Hoffen und Bitten sich vollenden,

da sterbe auch ich.

            dort finde auch ich Glück und Frieden

            für meine Seele.

 

                                                         (Rut 1, 16 – 17)

Auf dem Weg nach Bethlehem: Rut bleibt an der Seite Noomis

 

 

Biblische Vorgeschichte:

 

Während einer Hungersnot zieht Noomi mit ihrem Mann und ihren Söhnen aus Bethlehem weg ins fruchtbare Land von Moab. Dort stirbt zunächst ihr Mann, die Söhne heiraten moabitische Frauen – Orpa und Rut -, doch die Männer sterben auch, ohne Kinder zu hinterlassen.

Da Noomi gehört hatte, dass Gott die Hungersnot in ihrer Heimat beendet hatte, kehrt sie zusammen mit ihren Schwiegertöchtern zurück. Kurz vor der Grenze verabschiedet sie sich von Orpa und Rut, denn ihr wird bewusst, dass die beiden Fremden in Juda keine Zukunft haben werden und besser in ihrem Heimatland einen Mann suchen sollen. Orpa lässt sich überzeugen und kehrt um, doch Rut hängt so sehr an ihrer Schwiegermutter, dass sie mit ihr mitgehen will – was da kommen mag. Noomi willigt ein.

Und heute?

Millionen von Menschen sind auf der Flucht – vor dem Krieg und der Zerstörung ihrer Felder, Häuser, Schulen, Krankenhäuser; vor Verfolgung aus politischen, religiösen, rassistischen oder aus wirtschaftlichen Gründen. Vielen Menschen ist aufgrund des Klimawandels, schlechten Bildungs- und Arbeitschancen die Lebensgrundlage entzogen. Sie suchen einen Ort, an dem sie in Frieden, Sicherheit und Würde leben können.

Rut, die Freundin und Gefährtin für Noomi

„Rut“, die „Freundin“ und „Gefährtin“ für Noomi

… wie Eva für Adam … -

sie wird zur „Labsal“

 

 

Sie nimmt ihr Schicksal

in die Hand

wird nicht

zur Bittstellerin

 

Die mütterliche Freundin

macht sie stark

So nähren sie sich

gegenseitig

So überwinden sie die Not

miteinander

So gewinnen sie die Zukunft

füreinander

 

Rut

du Ahnfrau Jesu

hast Grenzen überschritten

und Neuland erobert.

 

Mach uns Mut

das Leben

zu leben!

 

 

Rut auf dem Feld des Boas

In Beth-lehem, dem „Haus des Brotes“ kümmert sich Rut um den Unterhalt für ihre Schwiegermutter – der sie immer mehr zur Freundin wird – uns sich. Es ist ihr gutes Recht, auf den Feldern das, was an Getreide übrig geblieben ist, aufzusammeln. Der Besitzer des Feldes, Boas, wird auf sie aufmerksam: sie ist schön und fleißig. Er nimmt sie unter seinen persönlichen Schutz. Sie darf mit den Mägden auflesen und er befiehlt den Knechten, sie nicht anzurühren. Sie sollen sogar extra etwas auf dem Feld zurück lassen, damit ihr Ertrag größer ist. Noomi kennt Boas – er ist ein Verwandter und kann als „Löser“ für ihre Sicherheit und Zukunft sorgen.

 

 

Fortgang der Geschichte: Auf der Tenne

Das Erntefest wird gefeiert, und zum Schutz vor Diebstahl bleiben alle auf der Tenne zum Schlafen. Auf die Initiative von Noomi legt sich Rut nachts heimlich zu Füßen des Boas, um ihn um seinen Schutz, d. h. um die Ehe zu bitten. Boas lässt sich darauf ein. Er wird sie zur Frau nehmen und den Grundbesitz ihres verstorbenen Mannes auslösen.

Rut – die fremde Moabiterin - wird schwanger und so zur Stammmutter des Königs David, der ihr Urenkel sein wird.

Obed, ihr Sohn, ist zugleich der Sohn von Noomi, die durch diese Geburt wieder in die Gesellschaft eingegliedert wird. Dieses Kind bringt die Lebenshoffnung wieder zurück.

Die Nachbarinnen lernen, dass Rut durch ihre Verbundenheit mit Noomi mehr wert ist als die beiden verstorbenen Söhnen, ja, sogar mehr wert als sieben Söhne. Und das in einer patriarchalen Gesellschaft!

Und heute?

Die gegenseitige Fürsorge, das Lernen voneinander und der Mut von Noomi und Rut, ermutigt bis heute Frauen, sich zu solidarisieren auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und Gleichberechtigung in der Gesellschaft überall auf den Welt. Frauen bilden Gemeinschaften, verbünden sich miteinander, um sich gegenseitig zu unterstützen beim Aufbruch in „Neues Land“.

Besonders Frauen in armen und ärmsten Ländern, die von Armut, Unterdrückung, Rechtlosigkeit, harter Arbeit und Patriarchat härter als wir betroffen sind, finden in dieser biblischen Geschichte eine Quelle der Kraft, um ihren Alltag mit täglich neuer Hoffnung zu bewältigen.

 

Juni 2020, Gabriele Ruppert

 
 
 
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