Katholische Kirchengemeinde Eningen
 
 
 
 

Sara

 

Keiner hat dich gefragt

nach deinen Wünschen

deinen Träumen

deinen Gefühlen

 

Still

hast du

in dich hineingeweint

in dich hineingeschrien

in dich hineingelacht

 

Deshalb hast du

über andere geherrscht

Hagar verstoßen

deine Emotionen versteckt

 

Gott hat

dein Lachen befreit

deine Weiblichkeit erlöst

deine Sehnsucht gestillt

 

Du bist gesegnet

Ein Segen bist du

 

Gabriele Ruppert

 

 

Sara - die Urmutter unseres Glaubens

Oder: Wenn für Frauengefühle kein Platz ist

 

 

Sara ist die Frau Abrahams, dem Ur-Vater des Glaubens. Aus Gen

12, 1 – 9 wissen wir, dass Gott Abram (so heißt er zu dieser Zeit noch) auffordert, sein Land, seine Verwandtschaft und sein Vaterhaus zu verlassen. Gott verspricht, ihn zu einem großen Volk zu machen. „Er nahm seine Frau Sarai mit“, können wir dort lesen. Kein Wort davon,

ob Sarai bereit war, alle Kontakte, die Sicherheit und Geborgenheit der Familie, aufzugeben und sich auf die Ungewissheit, Gefahr und den fehlenden Komfort einzulassen. Sie wird gar nicht gefragt! Sie wird,

wie ein Besitz behandelt.

Saras Empfindungen spielen keine Rolle, ihre Gefühle haben keinen Raum.

 

Mit der Verheißung an Abraham ist das Versprechen nach einem eigenen Kind verbunden. Doch da Sara über viele Jahre hinweg nicht schwanger wird, sucht sie eine Lösung darin, ihren Mann zu ihrer Dienerin Hagar zu schicken, damit sie ihm Nachkommen verschafft.

Die Schwangerschaft und die Geburt des Sohnes Ismael löst eine tiefe Krise zwischen den beiden Frauen aus. Und als ihr eigener Sohn auf

der Welt ist, schickt Sara Hagar und deren Sohn in die Wüste.

 

Sara verbirgt ihre wahren Gefühle, statt sie auszuleben und auszusprechen. Auch in unserer Szene lacht sie „still in sich hinein“

(Gen 18,12). Sara lässt ihren – hinter dem Lachen versteckten – Zweifel nicht zu. Immerhin ist sie schon in einem Alter, das nach menschlichen Maßstäben keine Schwangerschaft mehr zulässt.

Drei Besucher waren zu Abraham gekommen; er hatte sie fürstlich bewirtet – und doch gilt deren ganzes Interesse seiner Frau Sara: ihr gilt die Verheißung. SIE wird die Mutter des versprochenen Erben. Trotz ihres vorangeschrittenen Alters. Gott steht ganz auf ihrer Seite!

In Gen 21, 1 – 8 wird von der Freude rund um die Geburt des Sohnes erzählt. Sara ist inzwischen 90 Jahr alt, Abraham 100 Jahre.

Der Name des Kindes ist Isaak („Gott hat jemanden zum Lachen gebracht, Gott hat gelacht“). Jetzt ist das Lachen der Sara befreit! … und auch Abrahams Lachen (s. Gen 17,17)!

 

Alle Zweifel sind durch Gottes Fügung und Führung aufgehoben.

So wird Sara zur Ur-Mutter unseres Glaubens.

 

                                                                                    

            Gabriele Ruppert

 
 
 
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